Dies ist die Prozessdokumentation zum praktischen Teil meines
Bachelorprojekts im Studiengang Data Design + Art an der Hochschule
Luzern – Design Film Kunst. Das Projekt untersucht Privat- und
Businessjet-Flugverkehr als Ausdruck von Carbon Inequality.
Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich diese Form extremer
Emissionsungleichheit mittels Data Art sichtbar und erfahrbar machen
lässt. Auf Basis umfangreicher Flugdaten wird ein gestalterischer
Ansatz entwickelt, der abstrakte Informationen in eine physische,
räumliche Erfahrung übersetzt. Ziel ist es, die Dimension und Struktur
dieser Form von Mobilität offenzulegen und eine kritische
Auseinandersetzung mit ökologischer und sozialer Ungleichheit
anzustossen. Das praktische Projekt versteht sich dabei als Beitrag zu
einer datenbasierten, künstlerischen Praxis, die gesellschaftliche
Machtverhältnisse reflektiert. Konkret wird die tägliche Anzahl von
Privat- und Businessjetflügen mithilfe von Echtzeit-Flugdaten in eine
wachsende, physische Installation übersetzt, in der einzelne Flüge in
Papierform materialisiert und zu einer räumlich erfahrbaren Masse
akkumuliert werden.
Data Book - Theoriearbeit (PDF)
Was bisher geschah, aka. aktueller Stand der Projektidee:
Täglich starten weltweit mehrere tausend Privat- und Business-Jets. In
einem installativen Rahmen soll dieses Ausmass Besucher*innen vor
Augen geführt werden. Die Arbeit verfolgt das Ziel, auf das
gesellschaftlich untragbare Wertesystem der globalen «Polluter Elite»
und die daraus resultierende ökologische sowie ökonomische
Ungleichheit aufmerksam zu machen. Dazu wird die tägliche Menge an
Privat- und Businessjetflügen als Symbol für diesen ökozidalen
Elitismus mithilfe von Echtzeit-Flugdaten in eine physische, räumlich
erfahrbare Masse übersetzt. Auf einer zweiten Ebene öffnet die Arbeit
einen Deutungsraum, in dem die materialisierten Flüge als Ausdruck von
Carbon Inequality und gesellschaftlicher Ungleichheit gelesen werden
können. Die Installation nutzt die simplistische Symbolik des
Papierfliegers, um einen niederschwelligen Zugang zu einem komplexen,
globalen Problem zu ermöglichen. Dem gegenüber wird eine bewusst
ressourcenintensive und verschwenderische Inszenierung gestellt,
welche die Diskrepanz zwischen individuellem Luxus und
gesellschaftlich getragenen ökologischen Folgen sichtbar und erfahrbar
macht. Beim Publikum soll ein Moment des Innehaltens und der
Irritation erzeugt werden, aus dem heraus Fragen nach Verantwortung,
Ungleichheit und Klimagerechtigkeit entstehen können. Die Installation
ist für einen musealen oder institutionellen Ausstellungskontext
konzipiert, da vergleichbare, referenzierte Arbeiten wie jene von Adam
Harvey, Tega Brain, Paolo Cirio oder Sam Lavigne überwiegend in
solchen Kontexten präsentiert werden und dort ihre kritische Wirkung
im öffentlichen Diskurs entfalten. Die Arbeit richtet sich folglich an
ein kunst- und kulturinteressiertes Publikum mit Interesse an
politischen, sozialen und ökologischen Fragestellungen.
Start des praktischen Projekts. Einrichten meines Atelierplatzes in der 3D-Druck-Werkstatt um die Wege zu verkürzen.
Recherche und Experimente für Schneide- und Faltmechanismen. Schneiden stellt sich als schwieriger heraus als gedacht.
Produktion des ersten Prototyps eines Faltmechanismus. Erste Tests zeigen, dass die Mechanik funktioniert, aber die Stabilität noch verbessert werden muss. Die Komplexität ist recht hoch, suche nach alternativen Lösungen. Weitere Recherche und Experimente notwendig.
Entwicklung des Transportmechanismus. Rollen aus verschiedenen Materialien getestet, um genügende Präzision für konstante Reibung zu erreichen. Holz, Holz + Gummimatte, Alurohr, Alurohr + Schrumpfschlauch, 3D-gedruckte Endstücke. Holz war – trotz Bohrungen mit der Drehbank – zu ungenau. Alurohr mit Schrumpfschlauch hat sich als beste Lösung herausgestellt, da es genügend Reibung bietet und gleichzeitig eine hohe Präzision aufweist.
Atelierplatz lebt. -1 3D Drucker.
Suche nach Alternativen für den Faltmechanismus. Referenzprojekte nutzen z.T. Schnur um die Faltbewegung zu steuern, was die Konstruktion deutlich vereinfacht. Erste Tests mit Schnur stellen sich aber als unpräzise heraus. Das Papier verhält sich nicht immer gleich.
Weitere Tests mit Schnur als Faltmechanismus.
Versuche mit gedruckten Führungen anstelle von Schnur. Das Problem dabei ist, dass das Papier stecken bleibt, weil die seitlichen Stützen nicht flexibel sind.
Montageplatte für Elektronik fabriziert. Erste Komponenten montiert, um bald mal einen Motor zu testen.
Erneute Recherche zu funktionierenden Faltmechanismen. Versuch einer 1:1 Kopie eines Referenzmechanismus.
Weitere Tests mit dem neuen Faltmechanismus. Vielversprechend, aber funkitoniert noch nicht zuverlässig. Papierstärke macht einen grossen Unterschied. Quittungspapier 55g funktioniert nicht, normales Druckerpapier 80/100g ist steif genug, um sauber durch den Mechanismus zu laufen. Suche nach dickerem Thermopapier führt mich zu BSL Ticketdruck in Luzern. Das von mir benötigte Format haben sie leider nicht. Abschnitte von ihrem Papier sind zu dick und bleiben auch stecken (170-190g). Zudem druckt mein Drucker darauf nicht sauber. 100g Papier wäre wohl optimal. Mitsubishi ist einer der einzigen Lieferanten dafür. BSL könnte theoretisch Rollen zuschneiden auf gewünschte Grösse, wird aber wohl zu teuer. Ihr Papier kommt aber in sehr schönen grossen Rollen.
CAD FIEBERTRAUM
Kurz davor mein Projekt über den Haufen zu werfen. Falten klappt
nicht. 2 Uhr nachts hatte ich plötzlich das Gefühl Stanzen könnte die
Lösung sein. Das Problem dabei ist, dass wir keine Möglichkeit haben
Präzisionsmetallteile herzustellen. Versuch mit Perforation und
Pressen hat leider nicht funktioniert. 300 Nadeln durch ein Stück Holz
stecken war sehr meditativ. Stresslevel zunehmend. Besprechung mit
Pascal und Apero stimmte mich aber nochmal zuversichtlich.
Flieger auf die absolut einfachste Form reduzieren. Falten vor
dem Schneiden.
Zeichnen von Faltmechanismus, der mit eingespannter Papierrolle funktionieren sollte. Druck dauert 3.5h. Distanz für die Papierführung viel zu kurz, Papier reisst sofort. Neuer Papierlieferant gefunden, der BlueCinemas beliefert mit dickerem Quittungspapier für Ticketautomaten.
Nach Besprechung mit Michi, studiere ich an einem neuen Konzept herum. Faltmechanismus wird wahrscheinlich unrealistisch. Daher soll der Papierhaufen auf eine andere Art entstehen. Meine aktuelle Idee wäre es, die Flugroute auszudrucken. So korreliert die Länge des gedruckten Abschnitts mit der Flugdauer und CO2 Ausstoss. Ergänzend würde wohl eine Projektion Sinn machen. Erste Experimente mit Kartenausschnitten.
Deep dive in Web-Karten Technologien, Libraries und Rendermethoden. Mehrere hundert Vektorkarten im Browser rendern funktioniert aus Performance-Gründen nicht. Daher muss ich auf Rasterkarten zurückgreifen. Erste Experimente mit Leaflet, Mapbox GL JS und OpenLayers. Trennung von Frontend zur Darstellung und Backend zum rendern der Karten-Tiles stellt sich als performanteste Lösung heraus. Tileserver GL (https://github.com/maptiler/tileserver-gl) ermöglicht den Einsatz von PMTiles und Maplibre Styles. So kann die ganze Welt bis Zoomlevel 15 als 60GB PMTile File lokal gespeichert und verarbeitet und nach Belieben gestaltet werden.
Erste Experimente für Interaktion. Habe neulich eine Library gefunden, die über die Webcam Minority-Report Style Handgesten erkennt. Funktioniert nicht schlecht, ist aber für Ausstellungssetting ungeeignet, da es nur für eine Person funktioniert und besonders Klickgesten oft falsch erkannt werden. Alternative könnte z.B. ein Apple Magic Trackpad sein. Oder Drehknöpfe.
Begutachtung SONY Projektor DDA. SONY VPL-FHZ80 (6000 Lumen, 1920x1200px) 460x169x494mm, 13kg; Objektiv VPLL-Z3009/8 Throw Ratio 0.85-1:1. Projektion evtl auch auf Papierstreifen?
Viele Gedanken zur Papierversorgung haben mich zum Schluss kommen lassen, dass mittelgrosse Rollen, welche 1x täglich ausgetauscht werden, die beste Lösung darstellen. Diese kann ich selber abspulen von gängigen Kassenzettelrollen. Die Rolle kann an der Decke beim Drucker montiert werden und nimmt keinen übermässigen Raum ein in der Installation. ca. 10-12x80m passen auf eine 30cm Rolle.
Zweite Iteration Papier aufrollen. Solider Kern 3d-Gedruckt um Reibungsverlust zu vermeiden. Diverse gestalterische Anpassungen an Kartenstreifen.
Der Entscheid für das weitere Vorgehen ist nun definitiv gefallen. Ich
verzichte auf weitere Versuche mit Faltmechanismen. Das Papier kommt
als Streifen aus dem Drucker, nicht als Flieger. Das Konzept der
Verschwendung und das Bedrucken funktionieren so trotzdem und sind im
Hinblick auf die noch verfügbare Zeit wichtiger als die Form des
Papiers. Einen schönen Flieger herzustellen ist in der Zeit einer BA
nicht möglich.
Im Hinblick auf die Installation habe ich Projection-Mapping in die
Applikation eingebaut. Um den Kontrast der Karte zu erhöhen, habe ich
die Darstellung der Wasserflächen angepasst. Durch die Musterung ist
Bewegung ersichtlich und der Unterschied zum Hintergrund sichtbar.
Um die Software auf den Mac Mini, der für die Installation vorgesehen
ist, zu übertragen, habe ich die Webseite und alle Serverkomponenten
in eine electron App gepackt. So lässt sich die Software als
eigenständige Anwendung starten, ohne dass vorher 1000 Abhängigkeiten
installiert werden müssen.
Achsen für Papierrollen gedruckt.
Testweise habe ich den Mac Mini vorbereitet und die App getestet. Nach
langem hin und her funktioniert nun der Startprozess reibungslos. Was
noch fehlt ist die Komponente, die den Kassenzettel rendert und an den
Drucker sendet. Das liegt daran, dass das Design des Kassenzettels
noch nicht klar ist. Für die Interaktion habe ich mich schlussendlich
für ein Apple Magic Trackpad entschieden, da es eine einfache und
intuitive Möglichkeit bietet, durch die Karten zu scrollen.
Geplant ist zudem auf der äussersten Zoomstufe diverse weitere
Statistiken einzublenden, wie z.B. über die Flugbetreiber, Flughäfen,
Länder, usw.
Verbindung zu Drucker hergestellt. Softwarearchitektur für Rendern der Zettel umgesetzt. Kartengestaltung für Zettel angefangen. Erste Varianten für Übersichtsseite erarbeitet.
Qualitätsproblem bei Druck behoben. Zum ersten Mal 1h+ alle Flüge drucken lassen. Kartengestaltung für Zettel weitergeführt.
Produktion der Papierrollenspulen. Papier ist angekommen.
Redesign des gedruckten Zettels. Inspiriert von Banknotendesign.
Erste Version des Banknotendesigns in Code umgesetzt. Spulen weiter produziert.
Besprechung und Situationsplanung der Ausstellung. Übersicht mit Karte ergänzt
Gemäss Sicherheitsanforderungen der Werkschauplanung müsste an meinem Standort ein Absperrband installiert werden. Dies wird Platzmässig etwas eng. Evtl. wird daher der Standort meiner Installation nochmal verschoben werden.
Adapter für Projektorhalterung gebaut. Weitere Varianten Zetteldesign.
Neuer, hoffentlich definitiver Situationsplan für die Ausstellung. Erste Projektionstests an der Wand. Gestaltung Übersichtskarte.
Auf der grossen Projektionsfläche fallen plötzlich diverse kleine Glitches und Zitterbewegungen auf, die auf dem MacBook Screen nicht störten. Diverse Versuche zur Reduktion dieser ungewollten Bewegungen. Stellt sich heraus, dass u. a. die verwendete Mapping Library (Openlayers) die Kartenposition auf ganze Pixel rundet, was zu visuellem Jitter führt. Erster Versuch die Library zu entfernen und die Karten direkt in das Canvaselement zu rendern. Jitter ist so behoben, aber Openlayers war schneller im laden der Kartentiles.
Druckerkomponenten in Gehäuse angeordnet. Abdeckungen hergestellt. Weitere Performanceoptimierungen im Code. Schlussendlich zurück zu Openlayers, für Speed, aber mit Anpassungen, um den jitter zu reduzieren.
Weitere Anpassungen am Code. Verhalten bei Inaktivität angepasst. Weitere Jitterreduktion. Interaktion nun auch mit einem Finger auf dem Touchpad möglich. Datenaktualisierung ohne Passworteingabe. Doku auf iPad geladen, Geführter Modus ausprobiert, damit nur die Doku geöffnet werden kann. Lockscreen-Hintergrund mit Werkbeschrieb.
Weitere Anpassungen am Code. Fehlerbehebung. Besprechung mit Michi. Übersichtskarte angepasst, wenn ein Flug ausgewählt ist, wird nun die Route gezeichnet. Drucker angeschlossen und erste Drucktests gemacht.
Weitere Drucktests. Aus irgendeinem Grund werden einige der Ausdrucke mittendrin abgebrochen. Drucker macht ein seltsames Geräusch. Evtl. ein Softwareproblem? Könnte sein, dass sich kurz aufeinanderfolgende Druckaufträge gegenseitig abbrechen/überschreiben.
WELCOME TO INTEGRATION HELL. Das Problem mit den abgebrochenen Druckaufträgen ist nicht Softwareseitig, sondern hardwarebedingt. Während der Drucker bei den bisherigen Tests nie Probleme hatte, Papier von der grossen Rolle einzuziehen, gibt es nun plötzlich Probleme. Nach initialem einziehen dreht die Papierrolle etwas weiter, was zusätzliches Papier abrollt. Es entsteht "Slack". Beim nächsten Druck wird zunächst dieser Überschuss eingezogen. Sobald der Drucker dann aber die Rolle wieder bewegen muss, entsteht ein Problem. Das Losbrechmoment ist grösser als das Laufmoment. Der Unterschied bringt den Einzugsmotor im Drucker zur Überlastung. Der Druckjob bricht ab. Erste Idee: Eine Bremse an der Papierrolle anbringen, um das unkontrollierte Abrollen zu verhindern. Leider ist das Problem damit nicht behoben. Die Menge an zu viel abgerolltem Papier wird zwar reduziert, der Drucker hat aber insgesamt mehr Mühe das Papier von der Rolle abzuwickeln, was das Problem eher verschlimmert. Es stellt sich die Frage, ob ich mit einigen Fehldrucken leben kann, oder ob ich die Papierzufuhr überdenken muss. Da der Motor im Drucker wirklich nicht glücklich klingt, befürchte ich, dass der Drucker beschädigt werden könnte und u.U. während der Werkschau den Geist aufgibt. Eine Lösung muss gefunden werden.
Recherche zu Tension-Control-Systemen für Papierrollen zeigt, dass eine rein mechanische Lösung wohl nicht funktioniert und ein Feedbacksystem benötigt wird. Anstatt zu bremsen, könnte ich aber immer automatisiert etwas Überschuss abrollen lassen, bevor ein Druckauftrag gestartet wird. So würde der Drucker nicht gegen die Rolle ankämpfen müssen, sondern könnte das Papier mit konstanter Kraft einziehen. Eine Lichtschranke könnte erkennen, wie viel Überschuss abgerollt wurde und so die Menge an Überschuss steuern. Das System wäre so auch komplett unabhängig von der Druckersteuerung. Das ist perfekt, da es keine direkte Kommunikation von der Druckerseite gibt, wann wie schnell Papier eingezogen wird. Da ich mal angefangen habe für die Faltmaschine Elektronik zu planen, habe ich die dafür benötigten Komponenten zur Hand. Nach längerem Kopfzerbrechen habe ich gemerkt, dass mein ESP32-Mikrocontroller zu wenig Spannung liefert um den Motortreiber anzusteuern. Zum Glück hatte ich noch einen Arduino Nano herumliegen. Auf printables.com gibt es auch entsprechende Montageplatten zum Herunterladen und Ausdrucken.
Montage des Abrollmechanismus.
Wackelkontakt festgestellt, letzte Lötstellen geflickt. Fertigstellen des Quittungs-Designs. Hoffentlich bald letzte Code changes. Erster Entwurf Beschriftung von Interaktionselement.
Letzte Besprechung mit Michi vor Abgabe. Besprochen, was wie in welchem Format abzugeben ist. Erste Fotos von Papierhaufen für Abgabe vor Installationsaufbau. Screenrecording von Applikation erstellt. Erste 5 Spulen abgerollt.
Vorbereitung der Abgabe. Bilder und Screenshots gemacht. Einige Versuche mitkurzen Videos. Abgabedokument für Prozessdokumentation vorbereitet.
Letzte Vorbereitungen für die Abgabe. Neues Design für Interaktionsbeschriftung. Überarbeitung eines Prozess-Videos und der HiRes Bilder. Alle Prozesseinblicke haben nun Dither-Ausschnitte von den gedruckten Karten als Hintergrund. Dateien in Ordnerstruktur gepackt.
Atelier räumen. finale version des Prozessvideos gerendert. Prozessdoku übersetzen lassen.
Das Projekt begann mit einer klaren Vision: eine Maschine, die Papier zu Fliegern faltet und so jeden Privatjet materialisiert. Was folgte, war ein iterativer Prozess des Scheiterns, Umdenkens und der Neuausrichtung, der das Ergebnis letztlich vielleicht stärker machte als den ursprünglichen Plan.
Der Faltmechanismus erwies sich als zu komplex und zu fehleranfällig für den verfügbaren Zeitrahmen. Statt die Idee zu erzwingen, führte die Konzeptanpassung zu einer klareren, nüchterneren Sprache: eine Quittung pro Flug, die schiere Menge täglicher Privatjet-Emissionen als schlichter Papierstreifen, der sich zu einem wachsenden Haufen akkumuliert. Das Druckdesign in Banknoten-Ästhetik gibt den Zetteln eine weitere Bedeutungsebene und verdichtet die Verbindung zwischen privatem Reichtum und externalisierten Klimakosten.
Technisch war das Projekt eine Auseinandersetzung mit Komplexitäten auf allen Ebenen gleichzeitig: Kartendarstellung, Geosysteme, Thermaldruck, Mechanik, Papierzufuhr, Elektronik, Projection Mapping und Ausstellungslogistik. Trotz der enormen Möglichkeiten, schnell physische Prototypen zu erstellen, stiess ich immer wieder an die Grenze des Machbaren. Erste Gestaltungsentwürfe waren stets eine Enttäuschung, doch Iteration nach Iteration entstanden langsam Dinge, die funktionierten. Die Lösung für den Papiervorschub, ein einfacher Arduino mit Lichtschranke, steht exemplarisch für den gesamten Prozess: pragmatische Lösungen unter Zeitdruck, die dennoch zuverlässig funktionieren.
Am Ende steht ein ziemlich rundes Projekt. Tausende Tonnen CO₂, Tausende Flüge täglich, materialisiert als wachsender Haufen Papier. Was sich auftürmt, lässt sich nicht mehr ignorieren. Die ausgebaute Informationsebene, mit besonderem Augenmerk auf Animation, schafft zunächst das Versprechen von Übersicht. Flugrouten zeichnen sich über die Karte, Datenpunkte erscheinen geordnet und kontrollierbar. Gleichzeitig unterläuft die Installation diese Lesbarkeit permanent: Während die Visualisierung Orientierung bietet, wächst darunter unaufhaltsam ein materieller Überschuss. Die Zahlen bleiben dieselben, doch ihre Verkörperung verändert ihre Wirkung. Der Papierhaufen wird zum Sediment einer Aktivität, die gewöhnlich unsichtbar bleibt, einer Ansammlung von Spuren, die sich jeder abstrahierenden Darstellung entzieht. Je grösser der Haufen wird, desto schwerer wiegt die Frage, was nötig ist, damit ihre Folgen als Realität gesehen werden.